SIE – San Fran-schockverliebt-cisco

 

Da! Wunderschön, wie sich die Golden Gate Bridge in einer Pfütze spiegelt

Da! Wunderschön, wie sich die Golden Gate Bridge in einer Pfütze spiegelt

„No city invites the heart to come to life as San Francisco does. Arrival in San Francisco is an experience in living.“

William Saroyan (1908-1981), einer der bedeutendsten US-Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, übertreibt null, nada, nicht ein Bisschen.

Wir-sind-da-Selfie in San Francisco

Wir-sind-da-Selfie in San Francisco

Als wir nachts nach 48 Stunden und 17.000 Kilometern von Asien nach Amerika endlich in meiner Da-möchte-ich-unbedingt-mal-hin-Lieblingsstadt ankommen, bin ich überwältigt. Mein Hirn, mein Herz, wir können es nicht fassen. Bauchkribbeln, Freudentanz im durchgeschwizten Reiseshirt, ungeschminktes Endlich-da-Selfie. Die Market street by night sieht für mich mit den dampfenden Gullideckeln und dem warmen Licht der Laternen aus wie die perfekte Filmkulisse. Apropos: Ich habe keinen Film gesehen, kein Buch gelesen, das meine Liebe zu dieser Stadt erklären könnte. Sie ist einfach da. Golden Gate Bridge, 44 Hügel, liberale Weltstadt am Wasser. Vielleicht liegt es einfach daran, denke ich übermüdet, als ich kurze Zeit später neben IHM im 69 $-Bett mit shared bathroom liege.

Die Nieten der Golden Gate Bridge

Die Nieten der Golden Gate Bridge

„San Francisco itself is art, above all literary art. Every block is a short story, every hill a novel. Every home a poem, every dweller within immortal. That is the whole truth.“

Unterwegs durch die Stadt werde ich an Saroyans Worte denken, doch morgens auf dem Weg von unserem Hotel in SOMA zum Stadtzentrum sind da nur sad stories. In den Gesichtern der Obdachlosen lese ich nur die Geschichten des gescheiterten amerikanischen Traums. Und es sind so viele. Oder ich bin sie nicht mehr gewohnt. „Heftig, so viele leben auf der Straße, das gab es in Asien nicht, oder?“ frage ich IHN. SEINE Antwort: „In Asien funktioniert die Idee Familie noch.“ Ich: „Wahrscheinlich. Wenn du jedem hier einen Dollar geben würdest, wärst Du unser Tagesbudget richtig schnell los.“
Als wir am Ferry Building, Pier 1, ankommen, sagt er plötzlich: „Bis hier wären es 43 $!“

Einfach durch die Straßen laufen ist in San Francisco schon ein Highlight - hoch und runter

Einfach durch die Straßen laufen ist in San Francisco schon ein Highlight – hoch und runter

Wir wollen San Francisco erstmal vom Wasser aus entdecken. Das mit den Überfahrten-Stopps verstehen wir nicht auf Anhieb. Letztlich landen wir auf einer der Fähren, die die anderen Städte in der Bucht ansteuern. Wir haben kein Ticket, trotzdem lässt uns der Skipper an Bord, sagt: „Merry Christmas.“

Spontan großzügig zu sein, Freude an einem kurzen Gespräch mit Fremden zu haben, das hatte ich zuletzt fernab von Zivilisation auf Flores in Indonesien erlebt.
San Franciscos Skyline in der Sonne, wir mit Rückenwind auf dem Wasser, plötzlich dreht die Fähre und ich sehe sie zum ersten Mal.

Auch Sonnenuntergänge ohne Meer sind schön - zumindest in dieser Stadt

Auch Sonnenuntergänge ohne Meer sind schön – zumindest in dieser Stadt

Die Golden Gate Bridge. Dieses majestätische Bauwerk. Faszinierend schön. Wir werden den ganzen Tag damit verbringen, sie zu sehen. Quer durch die Stadt auf sie zuzulaufen und schließlich über die eisernen Nieten zu streichen. Ich staune. Darüber, dass die goldene Brücke eigentlich Orange ist. Weil die Bürger die Rostschutzmittel-Farbe „International Orange“ schöner fanden als das schnöde Grau, das Ingenieur Joseph B. Strauss für sein Meisterwerk vorgesehen hatte. Ich staune über die Notfalltelefone für die Todtraurigen, die in diesem Wind tragischer Weise nicht funktionieren sollen. Ich staune, dass ER und ich es tatsächlich bis hier her geschafft haben. Zusammen auf DER Brücke stehen. Ich bin rückblickend ehrfürchtig vor den Kilometern zu Fuß, in Flugzeugen, auf Booten und in Bussen. Sechs Länder haben wir schon bereist, haben für das Ungewisse, für die Fremde, unseren geliebten Alltag aufgegeben. Wie viele Wunder der Natur wir gesehen, wie viele wundervolle Menschen wir schon getroffen haben. Ein „alles richtig gemacht“-Gefühl durchströmt mich.

Der Bus zurück ins Zentrum ist überfüllt. Aber alle sind lässig, so wie die Stadt selbst. Wir steigen irgendwo aus und genießen das Verlorengehen. Essen schließlich bei einem Thailänder – noch etwas Asien in Amerika.

SIE genießt noch mal Asiatisch - in Amerika

SIE genießt noch mal asiatisches Essen – in Amerika

Tag eins in San Francisco, das war die Golden Gate Bridge. Unterwegs zur Brücke war SEINE Antwort auf meine „Ah, guck mal wie schön, oh, hast du das gesehen?“ oft: „Du liebst diese Stadt so, weil sie wie Hamburg ist“. Die Piers wie die Landungsbrücken, der schmuddelige Sand hinter der Fishermen Warft wie der Elbstrand, der Berg von Fort Mason wie der Altonaer Balkon?

Allein der Satzbau dieser These klingt falsch. San Francisco ist nicht wie eine Stadt. Wenn, hat eine Stadt etwas von San Francisco.

Könnte SIE ewig tun: Häuser gucken in San Francisco

Könnte SIE ewig tun: Häuser gucken in San Francisco

Ich fühle mich so wohl hier, dass ich mit dem „Häuser gucken“-Spiel anfange, als wir gerade an San Franciscos Elbchaussee Marina Bay (3 Zimmer zur Miete: über 4000 $) vorbeilaufen. Und ich träume diesen „hier-einmal-länger-sein“-Traum, bis ich abends einschlafe und gar nichts träume.

Tag zwei beginnt früh, sehr früh.

Um soviel wie möglich an unserem letzten Tag zu sehen, und weil wir Alcatraz erleben wollen, es aber keine Tickets mehr gibt, stehen wir nachts um 4 Uhr auf, laufen zum Pier 33 und reihen uns in die Schlange ein. Die erste, die unbedingt rein will in das Gefängnis, in dass die US-Schwerverbrecher kamen, die immer überall raus wollten, sitzt seit um zwei Uhr nachts am Pier. Zwischen Weihnachten und Silvester ist der Andrang besonders groß.

ER stellt sich hinten an. Halleluja und das war morgens um halb fünf!

ER stellt sich hinten an. Halleluja und das war morgens um halb fünf!

Durchgefroren halten wir morgens um sieben die Tickets in der Hand. Die Audio-Führung durch den 1963 geschlossenen Knast mit den Originalstimmen von Ex-Häftlingen und Ex-Wärtern ist beeindruckend bedrückend. Mit geschlossenen Augen in die Zellen zu treten und das Schloss zufallen zu hören, ist ein Gänsehaut-Moment. So viel Unfreiheit mit Blick auf diese von Freiheit gezeichnete Stadt gegenüber.

ER vor den bedrückenden Zellen der Häftlinge

ER vor den bedrückenden Zellen der Häftlinge

Zwei Tage sind nicht genug für meine Hier-muss-ich-unbedingt-wieder-hin Lieblingsstadt.

Ziele für das Leben nach der Weltreise kann man nicht genug haben.

 

 

 

 

 

 

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